Der Mensch kann nicht gut genug vom Menschen denken.

                                                   Immanuel Kant, Philosoph 1724-1804

 

Unter Begleitung dieser philosophischen Worte sei eine kleine Geschichte erzählt, die sich am Rande eines großen Festes, des Feldataler Mühlenfestes 2008 in Stumpertenrod abgespielt hat.

Eine ältere Dame, ein Gast von etwa 5000 Gästen, fährt nach Besuch des Mühlenfestes vergnügt am Nachmittag nach Hause. – Sie und ihre Begleitung unterhalten sich im Wagen auf der 30-minütigen Fahrt über dieses und jenes, über Dinge, die sie auf dem Fest gesehen haben und nehmen sich vor, im nächsten Jahr unbedingt wieder nach Stumpertenrod zu fahren. –

Mittlerweile sind die beiden Damen zu Hause angekommen - und dann das große Entsetzen: Der Haustürschlüssel ist nicht mehr da! Das ganze Etui ist nicht zu finden. Nicht hier, nicht in der Jackentasche, nirgends! Enttäuscht, auch ein bisschen entzaubert, stehen sie sich nun ratlos gegenüber. Dann die Erkenntnis: Wir müssen zurück, müssen versuchen das Schlüsseletui zu finden! Auf dem Fest angekommen, bleibt die alte Dame im Wagen zurück.  Zu sehr sitzt ihr der Schreck in allen Gliedern. Nun, so fürchtet sie, wird sie alle Schlüssel nachmachen lassen müssen. –

Mit großen Schritten eilt die Tochter durch die Schar der Festbesucher zurück an den Platz, wo sich die Mutter zuletzt aufgehalten hat – nichts! Alles Suchen scheint vergebens. Sie fragt hier, fragt da - und noch immer ist das Fest in vollem Gange. Alles fröhliche Menschen um sie herum – und im Auto wartet ihre Mutter ängstlich auf eine gute Botschaft. –

Da bekommt sie den Hinweis, doch einmal im „Marktbüro“ nachzufragen, vielleicht habe ja jemand die Schlüssel abgegeben? – Die Tochter will es nicht recht glauben. „Bei diesen vielen Menschen“ fragt sie sich und schüttelt zweifelnd den Kopf.

Und doch ist es geschehen! Leider erst, nachdem die Tochter fort war. Einer der Parkhelfer hat zwischen Grashalmen und Autorädern, zwischen all den Füßen just dieses Schlüsseletui gefunden und im Marktbüro abgegeben. Zufällig kannte der Mann, der die Schlüssel entgegen nahm die alte Dame und zufällig wusste er auch wo sie wohnt.

Welch Freude! Die Dame nahm die Schlüssel dankbar entgegen und meinte: „Wie konnte ich nur zweifeln, dass jemand sich bücken und die Schlüssel abgeben würde!“